Widerstandsbewegung

Wi|der|stands|be|we|gung 〈f. 20organisierter aktiver od. passiver Widerstand gegen ein als unrechtmäßig od. tyrannisch empfundenes Regime, bes. gegen den Nationalsozialismus

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Wi|der|stands|be|we|gung, die:
Bewegung (3 b), die den Kampf gegen ein unrechtmäßiges, unterdrückerisches usw. Regime führt, den Widerstand (1) organisiert:
sich einer W. anschließen;
einer W. angehören;
zu einer W. gehören.

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Widerstandsbewegung,
 
im weiteren Sinn organisierte Form der Auflehnung gegen ein Regierungs- oder Besatzungssystem, dessen Herrschaftsanspruch als unrechtmäßig, dessen Herrschaftsausübung als diktatorisch oder darüber hinaus als menschenrechtsfeindlich betrachtet wird (Widerstandsrecht). Bei der Entstehung von Widerstandsbewegungen sind ethnisch-nationale, sozialrevolutionäre, wertkonservative, religiöse oder ethische Motive, oft in enger Verflechtung miteinander, bestimmend. Eine besondere Form des Widerstands ist der gewaltfreie Widerstand.
 
Im engeren Sinn wird im historischen Rückblick unter Widerstandsbewegung v. a. die organisierte Opposition in Europa gegen den Faschismus und den Nationalsozialismus zwischen 1922 und 1945, besonders gegen die deutsche Besatzungsmacht in vielen Staaten Europas, verstanden. Über den organisierten Widerstand hinaus gab es in dieser Zeit zahlreiche Widerstandskämpfer, die ohne Rückendeckung einer Organisation Widerstand v. a. gegen die Diktatur des nationalsozialistischen Regimes und - im Zweiten Weltkrieg - gegen die deutsche Besatzungsmacht und die mit ihr kollaborierenden Kräfte leisteten. - Der bewaffnete Kampf gegen die Herrschaft der europäischen Kolonialmächte in Asien, Afrika und Lateinamerika, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, trat v. a. in Gestalt von Befreiungsbewegungen hervor, die zum Teil jedoch ihre organisatorischen Vorbilder in Widerstandsbewegungen des Zweiten Weltkriegs hatten. Im kommunistischen Machtbereich nach 1945 organisierte sich Widerstand gegen die jeweilige Partei- und Staatsführung in Demokratiebewegungen (besonders nach 1975 als Bürgerbewegung). Auch in demokratischen Verfassungsstaaten betrachten sich viele Organisationen der Bürgerrechtsbewegung und der Friedensbewegung als Widerstandsorganisationen.
 
 Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus in Deutschland
 
Bald nach der Machtübernahme Hitlers (30. 1. 1933 entwickelte sich in Deutschland ein organisatorisch und politisch vielschichtiger Widerstand, der jedoch langfristig gesehen am Macht- und Terrorapparat des nationalsozialistischen Staates scheiterte. In der Bevölkerung hatte er keinen ausreichenden Rückhalt.
 
Unter dem Eindruck der Verhaftungswelle nach dem Reichstagsbrand (27. 2. 1933, v. a. gegen die Mitglieder der KPD, suchten sich die deutschen Kommunisten auf breiter Basis, jedoch organisiert in kleinen Gruppen, als Widerstandsbewegung zu formieren. Es entstanden überall in Deutschland kleine, im Untergrund arbeitende Widerstandsorganisationen, die sich besonders auf die Verbreitung illegaler Publikationen, v. a. Zeitschriften, verlegten. Die KPD-Mitglieder unterschätzten allerdings das sich ständig verdichtende System des nationalsozialistischen Unterdrückungsapparates; sie sahen im »Hitlerfaschismus«, besonders in den Anfangsjahren der nationalsozialistischen Diktatur, nur eine vorübergehende Zeiterscheinung und erwarteten sein Ende in einer grundlegenden Krise des »kapitalistischen Systems«; gegenüber den ebenfalls verfolgten SPD-Mitglieder hielten sie (bis 1935) am Vorwurf des Sozialfaschismus fest. Die öffentliche Demonstration von Protest und Verweigerung setzte die Gestapo in die Lage, bis 1935/36 die KPD-Untergrundzellen zu zerschlagen; vielfach wurde der Kampf vom Exil aus (v. a. Sowjetunion, Frankreich, Mexiko) fortgesetzt. Die Zahl der Opfer des kommunistischen Widerstandes war sehr hoch.
 
Die SPD-Mitglieder verfolgten zunächst unter Berufung auf die Prinzipien des Rechtsstaates und des Parlamentarismus eine Legalitätsstrategie, manifest geworden in der Rede von O. Wels bei der Begründung der sozialdemokratischen Ablehnung des Ermächtigungsgesetzen (März 1933) im Reichstag. Früh in den Widerstand ging z. B. J. Leber, der später im Kreisauer Kreis mit bürgerlichen Kräften zusammenarbeitete (wie auch C. Mierendorff und T. Haubach). Viele SPD-Mitglieder zogen sich im Sinne einer demokratischen »Gesinnungspflege« in kleine Diskussionsgruppen zurück, um die Strukturen einer Neuordnung in Deutschland zu erörtern. Beispielhaft für solche Gruppen waren Vereinigungen wie »Neu Beginnen«, »Sozialistische Aktion«; die Beschränkung dieser Widerstandsorganisationen auf wenige Mitglieder bot der Gestapo wenig Ansatzpunkte. Kleinere, in der Illegalität arbeitende Parteien, z. B. die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP), übten vermittelnde Funktionen zwischen den in Deutschland und den im Exil tätigen Gruppen aus.
 
Aus den Reihen der deutschen Gewerkschaften, die zunächst in Fehleinschätzung der nationalsozialistischen Herrschaftsziele Ansätze einer Annäherung an den Nationalsozialismus zeigten, um die Gewerkschaftsorganisation zu retten, gingen einzelne Mitglieder in den Widerstand. Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften in Deutschland (Anfang Mai 1933) übernahm W. Leuschner, ein führender Vertreter der sozialistischen Arbeiterbewegung, die Führung gewerkschaftlicher Widerstandsgruppen im Untergrund. Zwischen Leuschner, J. Kaiser (christliche Gewerkschaften) und Max Habermann (* 1885, ✝ 1944; Sekretär des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, DNHV) kam es zu Gesprächen über die Überwindung der ideologischen Spaltung der Arbeitnehmervertretung im Rahmen einer Einheitsgewerkschaft. - Zentriert im Kölner Ketteler-Haus (benannt nach Bischof W. E. Freiherr von Ketteler) wandten sich kleine Gruppen in der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB), v. a. um Bernhard Letterhaus (* 1894, ✝ 1944), gegen den nationalsozialistischen Staat und nahmen Kontakt zu anderen Regimegegnern (besonders in der Arbeiterbewegung) auf.
 
Angesichts der Bestrebungen des Nationalsozialismus, im totalitären Zugriff auf den einzelnen Menschen seine rassistisch-atheistische Ideologie zur allein herrschenden Weltanschauung zu machen, entwickelte sich in den christlichen Kirchen Widerstand gegen die nationalsozialistische Kirchenpolitik und die zunehmende Kirchenverfolgung (Kirchenkampf); der kirchliche Widerstand (besonders gegen Judenfeindlichkeit und das Euthanasieprogramm) blieb jedoch in seiner Breitenwirkung begrenzt. Auf protestantischer Seite bildete sich in der Auseinandersetzung mit den »Deutschen Christen«, die das christliche Glaubensbekenntnis der nationalsozialistischen Ideologie anzupassen suchten, unter Führung von M. Niemöller der »Pfarrernotbund«, später die Bekennende Kirche, die sich in der Barmer Theologischen Erklärung (1934) eine theologische Grundlage gab. Auf katholischer Seite traten neben einer größeren Anzahl von Priestern einige Bischöfe, besonders C. A. Graf von Galen, gegen den Anspruch des »totalen Staates« auf; dabei wurde von Priestern und Laien der Abschluss des Reichskonkordats (1933) scharf kritisiert. Über den kirchlichen Rahmen hinaus traten der evangelische Theologe D. Bonhoeffer und der Jesuitenpater A. Delp in den politischen Widerstand. Delp trug später zur Annäherung von Katholiken und Sozialdemokraten bei. Der Berliner Dompropst B. Lichtenberg betete 1941 öffentlich für die Juden.
 
Die bürgerliche und christlich-konservative Opposition, die in Vereinen, Kreisen und Zirkeln (Mittwochsgesellschaft) um Alternativen zur nationalsozialistischen Gewaltherrschaft rang, war politisch stark differenziert; sie fühlte sich den Werten der deutschen und preußischen Tradition verpflichtet und suchte aus diesem Grunde der nationalsozialistischen Gewaltpolitik entgegenzuwirken. In zunehmender Ablehnung besonders der Rassenpolitik (v. a. der Judenverfolgung) strebte sie nach Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit in Deutschland. Zu einer entscheidenden Integrationsfigur dieser zivilen Widerstandsbewegung wurde C. F. Goerdeler, der über Generaloberst L. Beck Verbindung zur Militäropposition sowie über U. von Hassell zu Oppositionskräften im Auswärtigen Amt suchte. - Neben Offizieren (u. a. E. von Witzleben) fanden auch ehemalige Sympathisanten und Beamte des Regimes zur Widerstandsbewegung; manche Schriftsteller und Künstler wählten den Weg der »inneren Emigration«, viele gingen ins Exil (Exilliteratur).
 
Die durch Hitlers aggressive Außenpolitik entfachte Kriegsgefahr in Europa verstärkte die Bedeutung der Wehrmacht als Faktor des Widerstands. Einer der wenigen frühen Gegner des Nationalsozialismus in der militärischen Führung war General K. Freiherr von Hammerstein-Equord. Der militärische Widerstand gegen Hitler formierte sich mit der Sudetenkrise (zwischen April und September 1938). Bei prinzipieller Übereinstimmung mit der Außenpolitik Hitlers gegenüber der Tschechoslowakei bildete sich um Generalstabschef Beck eine Militäropposition, die durch einen vorzeitigen Krieg, in dem v. a. auch Großbritannien auf der gegnerischen Seite stehen würde, das Ziel der angestrebten hegemonialen Großmachtstellung Deutschlands in Europa gefährdet sah. Es gelang der sich entwickelnden Militäropposition jedoch nicht, General W. von Brauchitsch, den Oberbefehlshaber des Heeres, für ihre Pläne zu gewinnen. Nach dem Rücktritt Becks entwickelte F. Halder, sein Nachfolger als Generalstabschef (ab Ende August 1938), in enger Verbindung mit dem Amt Ausland/Abwehr (v. a. H. Oster) einen Staatsstreichplan: Auf Befehl Halders sollte von Witzleben, der Befehlshaber des Wehrkreises III (Berlin), zum Zeitpunkt eines deutschen Angriffs auf die Tschechoslowakei mit den ihm unterstellten Truppen Hitler festnehmen lassen. Während für Halder dieser Plan ein letztes Mittel der Opposition gegen Hitlers Außenpolitik war, war der Umsturz für Oster das Ziel an sich. Nach dem Abschluss des Münchener Abkommens (30. 9. 1938 fiel die Militäropposition auseinander.
 
Ein von dem Schreiner J. G. Elser, ganz auf sich gestellt, am 8. 11. 1939 im Münchener Bürgerbräukeller ausgeführtes Sprengstoffattentat auf Hitler schlug fehl. Getrieben von moralischer Empörung über das nationalsozialistische Unrechtsregime, gründeten die Geschwister Scholl u. a. an der Münchener Universität die Weiße Rose. Im Protest gegen die ideologische Uniformität der Hitlerjugend bildeten sich z. B. mit den Edelweißpiraten und der »Saring-Jugend« jugendliche Protestgruppen (Jugendbewegung). Im Kreisauer Kreis auf dem Gut Kreisau des Grafen H. J. von Moltke trafen sich zahlreiche Persönlichkeiten unterschiedlicher Herkunft und politische Richtung, um über die Möglichkeiten einer Überwindung des nationalsozialistischen Regimes und über die moralische und politische Erneuerung Deutschlands nachzudenken. Mit dem deutschen Überfall auf die UdSSR (1941) verstärkte sich auch wieder der kommunistische Widerstand. Im Rahmen der Roten Kapelle beteiligten sich auch entschlossene linksbürgerliche Kräfte am Kampf gegen den Nationalsozialismus (bis 1942 aktiv). In Rüstungsbetrieben und Konzentrationslagern unternahmen besonders Kommunisten Sabotageaktionen. Nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad (1943) gründeten deutschen Kommunisten in der UdSSR das Nationalkomitee Freies Deutschland, gefangene deutsche Offiziere den Bund Deutscher Offiziere. Die vielfältigen Bemühungen des bürgerlich-konservativen Kreises um Goerdeler, zu dem auch die Sozialdemokraten Leber und A. Reichwein gestoßen waren, mit der militärischen Opposition verdichteten sich zum Versuch eines Staatsstreichs unter Führung von Oberst C. Schenk Graf von Stauffenberg am 20. 7. 1944 gegen Hitler (Zwanzigster Juli). Nach gelungenem Staatsstreich und einer vorübergehenden Militärdiktatur sollte ein auf Rechts- und Verfassungs-Garantien beruhendes Staatswesen in Deutschland wiederhergestellt werden. Als Staatsoberhaupt war Beck, als Reichskanzler Goerdeler vorgesehen. Außenpolitisch erhofften die am Staatsstreichversuch Beteiligten, die Einheit des Deutschen Reiches gegen Zugeständnisse an die westlichen Alliierten (z. B. Räumung aller besetzten Gebiete) bewahren zu können. Der Umsturzplan scheiterte jedoch.
 
Die nationalsozialistische Reichsregierung traf nunmehr umfassende Vorkehrungen, um die Opposition insgesamt zu zerschlagen. Die dem Militär angehörenden Widerstandskämpfer wurden entweder sofort erschossen oder nach ihrem Ausschluss aus der Wehrmacht mit den zivilen Angehörigen der Widerstandsbewegung vor dem Volksgerichtshof angeklagt und unter entwürdigenden Verfahrensbedingungen verurteilt, wobei der Schuldspruch von vornherein feststand. Die Prozesse dauerten bis April 1945. Die Zahl der Verhaftungen, die im Zusammenhang mit dem 20. 7. 1944 vorgenommen wurden, betrug etwa 1 000; der Volksgerichtshof verkündete allein über 200 Todesurteile, die in der Regel unmittelbar danach vollstreckt wurden. Einige Angeklagte (z. B. Goerdeler) ließ man länger leben, um weitere Aussagen von ihnen zu erpressen. Die Zahl der Verhafteten und Hingerichteten im Zusammenhang mit Widerstandstätigkeit allgemein kann nicht genau erfasst werden. Häufig wurden in Gefängnissen und Konzentrationslagern politische Gegner in standrechtliches Scheinverfahren ermordet. Die nationalsozialistischen Behörden verhängten auch Sanktionen gegen Familienangehörige von Widerstandskämpfern (Sippenhaftung). - In verschiedener Weise waren Überlebende der Widerstandsbewegung führend am politischen Neubeginn nach 1945 beteiligt.
 
 Widerstandsbewegungen im von Deutschland besetzten Europa
 
Im Zweiten Weltkrieg entwickelten sich in allen von Deutschland eroberten und besetzten Gebieten Widerstandsbewegungen; viele Widerstandskämpfer wurden von deutschen Besatzungsorganen, besonders jedoch von der Gestapo, in Konzentrationslagern inhaftiert, viele von ihnen wurden hingerichtet.
 
 
Nach der Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg (1940) kämpften norwegische Freiwillige in »geheimen Kommandos« der britischen Streitkräfte. Gegenüber Plänen der von der deutschen Besatzungsmacht abhängigen Regierung Quisling leisteten viele Lehrer, Studenten und Geistliche passiven Widerstand. - Im besetzten Dänemark sammelten sich Widerstandskämpfer im Dänischen Rat. Geheimorganisationen verhalfen einer hohen Zahl von Juden zur Flucht nach Schweden.
 
 
Nach der Niederlage Frankreichs gegen das nationalsozialistische Deutschland 1940 baute C. de Gaulle an der Spitze des Freien Frankreich zunächst von London (Comité National Français), dann von Algier (Comité Français de la Libération Nationale) aus eine Widerstandsbewegung gegen das mit Deutschland zusammenarbeitende Vichy-Regime auf. Parallel dazu entstanden Widerstandsgruppen in Frankreich selbst, die nach ihrem Zusammenschluss im französischen Nationalrat de Gaulle als Repräsentanten der französischen Widerstandsbewegung anerkannten (Résistance). - In den Niederlanden lösten v. a. die Judendeportationen Streikaktionen aus (besonders den Generalstreik in Amsterdam, 1941). Nach der alliierten Invasion in der Normandie (Juni 1944) schlossen sich im Juli 1944 mehrere Organisationen in der Grote Advies Commissie der Illegaliteit zusammen. In den nördlichen Niederlanden bildete sich im November 1944 die Nederlandse Binnenlandse Strijdkrachten - Die Widerstandsbewegung in Belgien war in mehrere Organisationen gespalten, u. a. in die von der Exilregierung in London anerkannte Légion Belge und den (linksorientierten) Front de L'Indépendance et de la Libération. Der eher von einer Minderheit der Bevölkerung getragene aktive Widerstand forderte einen hohen Blutzoll; bei der Bekämpfung der Widerstandsbewegungen in den besetzten westeuropäischen Ländern griffen u. a. SS-Einheiten zu Repressalien gegen die Zivilbevölkerung (besonders Oradour-sur-Glane).
 
Süd- und Südosteuropa:
 
Bald nach der Etablierung des Faschismus in Italien traten außerhalb des Landes oppositionelle Kräfte im Zeichen des Antifaschismus hervor, allerdings mit nur geringer Resonanz in Italien selbst. Nach dem Sturz B. Mussolinis und dem Frontwechsel Italiens (1943) bildeten sich bewaffnete Widerstandsgruppen, die sich in der folgenden Zeit immer stärker zusammenschlossen (Resistenza). Im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht erlitten die italienischen Partisanen hohe Verluste; viele Widerstandskämpfer wurden in KZ-Haft genommen; zahlreiche Menschen starben durch Repressalien der SS (u. a. das Massaker von Marzabotto). - Nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee (April 1941) bildeten sich v. a. zwei einander blutig bekämpfende Widerstandsbewegungen: die von D. Mihailović geführten Četnici und die kommunistischen Partisanengruppen unter Tito (Jugoslawien). Gestützt auf den Antifaschistischen Befreiungsrat (AVNOJ, 1943 gegründet), setzten sich die Tito-Partisanen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in ganz Jugoslawien durch. Bei den Kämpfen zwischen den Widerstandsgruppen einerseits und den Besatzungstruppen andererseits, zwischen den Widerstandsgruppen untereinander oder infolge der blutigen Unterdrückung der Serben durch das kroatische Ustascha-Regime sowie durch Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Truppen kamen in Jugoslawien über 1 Mio. Menschen um. - Der Kampf der verschiedenen Widerstandsbewegungen in Griechenland, besonders der E. A. M. und der E. D. E. S., gegen die Besatzungsmächte ging im Dezember 1944 in den griechischen Bürgerkrieg über (Griechenland, Geschichte).
 
 
Nach dem deutschen Angriff auf die UdSSR (Juni 1941) bildeten sich hinter den deutschen Linien kleine Kerne von Widerstandsgruppen, die sich nach dem Fehlschlag eines schnellen militärischen deutschen Sieges und dem Meinungsumschwung in der sowjetischen Bevölkerung gegenüber den Deutschen (besonders infolge des terroristischen Regiments der deutschen Besatzungsorgane) zu einer von der sowjetischen Führung zentral gelenkten militärischen Kraft entwickelte. Seit Frühjahr 1942 war die Kriegführung der Partisanenverbände eng an die Direktiven des sowjetischen Oberkommandos gebunden; die sowjetischen Partisanen banden die deutschen Kräfte 1943/44 militärisch immer stärker und demonstrierten darüber hinaus gegenüber der einheimischen Bevölkerung die »Allgegenwart« der sowjetischen Partei- und Staatsführung. - Die brutalen Unterdrückungsmaßnahmen der deutschen Besatzungsmacht riefen in Polen eine starke Untergrundbewegung hervor, die alle Bevölkerungsteile erfasste. Der Abtransport der Juden aus dem Warschauer Getto in die Vernichtungslager löste 1943 den Warschauer Aufstand 1), das Näherrücken der sowjetischen Truppen 1944 den von der Armia Krajowa (AK) getragenen Warschauer Aufstand 2) aus; beide Aufstände wurden von deutschen Truppen niedergeschlagen.
 
 
Geheimdienste u. W. im Zweiten Weltkrieg, hg. v. Gerhard Schulz (1982);
 
Partisanen u. Volkskrieg. Zur Revolutionierung des Krieges im 20. Jh., hg. v. Gerhard Schulz: (1985);
 
Der dt. antifaschist. Widerstand. 1933-1945, Beitrr. v. P. Altmann u. a. (31984);
 
Europ. Widerstand im Vergleich, hg. v. G. van Roon (1985);
 P. Hoffmann: Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler (41985);
 
Der dt. Widerstand 1933-1945, hg. v. Klaus-J. Müller (21990);
 
Lex. des dt. Widerstandes, hg. v. W. Benz u. W. H. Pehle (21994);
 H. Rothfels: Die dt. Opposition gegen Hitler (Neuausg. Zürich 1994);
 D. Schwerin: »Dann sind's die besten Köpfe, die man henkt«. Die junge Generation im dt. Widerstand (21994);
 
Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, hg. v. J. Schmädeke u. P. Steinbach (Neuausg. 1994);
 
Widerstand im Dritten Reich, hg. v. H. Graml (Neuausg. 9.-10. Tsd. 1995);
 
Die geteilte Vergangenheit. Zum Umgang mit Nationalsozialismus u. Widerstand in den beiden dt. Staaten, hg. v. J. Danyel (1995);
 H. Langbein: ... nicht wie die Schafe zur Schlachtbank. Widerstand in den natsoz. Konzentrationslagern 1938-1945 (24.-25. Tsd. 1997);
 H. Mehringer: Widerstand u. Emigration (1997);
 
Lex. des Widerstandes 1933-1945, hg. v. P. Steinbach u. J. Tuchel (21998);
 G. van Roon: Widerstand im Dritten Reich (a. d. Niederländ., 71998).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Nationalsozialismus: Deutschland unterm Hakenkreuz
 
Weltkrieg, Zweiter: Kollaboration und Widerstand unter deutscher Herrschaft
 
Weltkrieg, Zweiter: Leben im Krieg
 

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Wi|der|stands|be|we|gung, die: Bewegung (3 b), die den Kampf gegen ein unrechtmäßiges, unterdrückerisches usw. Regime führt, den ↑Widerstand (1) organisiert: sich einer W. anschließen; einer W. angehören; zu einer W. gehören.

Universal-Lexikon. 2012.

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